Brauche ich eine Firewall?
Jedes Firmennetzwerk sollte durch eine Firewall geschützt sein. Die Auswahl reicht von kostenloser Open-Source-Software bis zu Lösungen großer Konzerne. Dieser Beitrag möchte einen Überblick geben.
Was ist eine Firewall?
Einfach gesagt kontrolliert eine Firewall den Datenverkehr zwischen Firmennetzwerk und Internet. Sie lässt erwünschte Verbindungen durch und blockiert den Rest. Moderne Geräte (Next Generation Firewall oder UTM) prüfen zusätzlich Inhalte, filtern Webseiten und erkennen Angriffe.
Router vom Internetanbieter, etwa von A1 oder Magenta, und Geräte wie eine FRITZ!Box bringen bereits Schutzfunktionen mit. Ob diese für Ihren Betrieb ausreichen, hängt von Ihren Anforderungen ab. Für Fernzugriff per VPN, ein getrenntes Gäste-WLAN oder mehrere Standorte kann eine zusätzliche Firewall sinnvoll sein.
Open-Source vs. Closed-Source:
die Unterschiede
Open-Source- und Closed-Source-Firewalls unterscheiden sich vor allem beim Lizenzmodell, beim Support und beim Lock-in-Effekt bei einem Hersteller.
| Kriterium | Open-Source | Closed-Source |
|---|---|---|
| Lizenzkosten | Basissoftware meist ohne Lizenzgebühren; Support und Zusatzdienste können kostenpflichtig sein | Je nach Anbieter Gebühren für Software, Schutzdienste und Support |
| Quellcode | Öffentlich einsehbar | In der Regel nicht öffentlich einsehbar |
| Hersteller-Lock-in | Hardware und Dienstleister meist frei wählbar | Ein Anbieterwechsel kann neue Hardware und Lizenzen erfordern |
| Support | Community, Dienstleister oder Hersteller, je nach Angebot | Hersteller und Partner, je nach Supportvertrag |
| Einrichtung und Betrieb | Fachwissen erforderlich | Fachwissen erforderlich |
Open-Source-Firewalls: OPNsense, pfSense, IPFire
Zu den Open-Source-Firewalls zählen unter anderem:
- OPNsense: wird von Deciso aus den Niederlanden entwickelt und basiert auf FreeBSD. Neben der freien Version gibt es eine Business Edition mit Support.
- pfSense: ist ein seit vielen Jahren verbreitetes Projekt von Netgate aus den USA. Neben der freien Community Edition gibt es die kommerzielle Variante pfSense Plus.
- IPFire: basiert auf Linux und wird von einer Community entwickelt. Die Firewall richtet sich eher an kleinere Betriebe mit überschaubaren Netzwerken.
OPNsense vs. pfSense
OPNsense entstand 2015 als Abspaltung von pfSense. Beide Projekte werden heute unabhängig voneinander weiterentwickelt.
| Kriterium | OPNsense | pfSense |
|---|---|---|
| Hersteller | Deciso, Niederlande | Netgate, USA |
| Editionen | Community Edition und Business Edition | Community Edition und pfSense Plus |
| Lizenzmodell | Community Edition: Open Source; Business Edition: kostenpflichtig | Community Edition: Open Source; Plus: kommerziell |
| Bedienung | Verwaltung über eine Weboberfläche | Verwaltung über eine Weboberfläche |
| Erweiterungen | Zusätzliche Funktionen über Plugins | Zusätzliche Funktionen über Pakete |
Kommerzielle Firewalls: Palo Alto, Fortinet, Sophos & Co.
Kommerzielle Firewalls gibt es mit unterschiedlichen Funktionen und Lizenzmodellen. Welche Schutzdienste, Updates und Supportleistungen enthalten sind, hängt vom jeweiligen Angebot ab.
| Hersteller | Herkunft | Produktreihen |
|---|---|---|
| Palo Alto Networks | USA | PA-Serie |
| Fortinet | USA | FortiGate |
| Sophos | Großbritannien | Sophos Firewall, XGS-Serie |
| WatchGuard | USA | Firebox |
| Check Point | Israel | Quantum Spark |
| Cisco | USA | Meraki MX, Secure Firewall |
| Barracuda | USA | CloudGen Firewall |
| SonicWall | USA | TZ-Serie |
Europäische Firewall-Hersteller
Digitale Souveränität spielt auch bei Firewalls eine wichtige Rolle. Deshalb lohnt sich ein Blick auf europäische Lösungen:
- Deciso (OPNsense): Niederlande
- Securepoint: Deutschland, stark bei KMU im deutschsprachigen Raum
- LANCOM Systems: Deutschland, Router und Firewalls aus einer Hand
- Stormshield: Frankreich
- genua: Deutschland, vor allem für Hochsicherheitsbereiche
Hardware und Kosten
Open-Source-Firewalls können auf geeigneter Standard-Hardware, als fertiges Gerät oder in einer virtuellen Umgebung laufen. Auch kommerzielle Anbieter bieten neben Geräten virtuelle Firewalls an. Welche Leistung nötig ist, hängt vom Datenverkehr und den genutzten Schutzfunktionen ab.
| Kostenpunkt | Open-Source | Closed-Source |
|---|---|---|
| Hardware und Infrastruktur | Standard-Hardware, fertiges Gerät oder virtuelle Umgebung | Herstellergerät oder virtuelle Umgebung |
| Lizenzen und Zusatzdienste | Basissoftware meist ohne Lizenzgebühren; Zusatzdienste können kostenpflichtig sein | Gebühren je nach Produkt, Laufzeit und gebuchten Diensten |
| Einrichtung | Installation und Konfiguration nach Aufwand | Installation und Konfiguration nach Aufwand |
| Wartung und Updates | Regelmäßige Updates und laufende Betreuung | Regelmäßige Updates und laufende Betreuung |
Für einen Vergleich über mehrere Jahre zählen neben der Anschaffung auch Lizenzen, Schutzdienste und laufende Betreuung.
Fazit
Beide Modelle können für Betriebe geeignet sein. Welche Lösung passt, hängt vom Netzwerk, den benötigten Funktionen und der laufenden Betreuung ab.
Es empfiehlt sich, Ihre Anforderungen und geplanten Änderungen von einer IT-Fachperson prüfen zu lassen, bevor Sie eine Firewall auswählen, einrichten oder Einstellungen im bestehenden Netzwerk ändern.
Zu den grundlegenden Kriterien zählen unter anderem:
- Updates: Wie werden Firewall und Router aktuell gehalten?
- Gäste-WLAN: Ist es vom internen Firmennetz getrennt?
- Fernzugriff: Wie werden externe Zugriffe abgesichert, etwa über VPN?
- Zugänge: Gibt es persönliche Administratorkonten und eine Mehrfaktor-Anmeldung?
- Regeln: Sind die Firewall-Regeln dokumentiert und werden sie regelmäßig geprüft?